Der Beginn

Diese Seiten sind ein rein privater Blog, er ist für Menschen gedacht welche sich genau wie wir für den Segelsport begeistern.
Wer die Freiheit des Segelns erlebt hat oder sich für diese Art der Fortbewegung auf dem Wasser interessiert findet hier vielleicht ein paar Anregungen, oder kann etwas wissenswertes beisteuern.

Faszination SEGELSPORT
Irgendwo dort hinter dem blauen Horizont liegt ein Land, eine Insel, eine Bucht deiner innersten Träume. Isoliert vom täglichen Alltagstrudel und gesellschaftlicher Hektik. Fern von Leistungsdruck und Konkurrenzkampf von äußerlichen Abhängingkeiten und materiellen Verpflichtungen.
Es gibt sie noch die Orte an denen wir heiter und unbekümmert wie in unserer Kindheit sein können. Im Einklang mit der Natur, dem Wind und der weite des Meeres. Hier muss man keine Masken tragen, keine großartigen und leeren Worte sprechen, keine Rollen spielen die du dir selbst oder andere dir auferlegt haben. Hier kannst du dich mit den Menschen umgeben die du magst und die schätzt und die dich schätzen.

Erfahrene Segler sagen: „Nach einem mehrtägigen Segeltörn wirst du deine Mitsegler entweder nie wieder sehen wollen und du nimmst die andere Straßenseite wenn sie dir begegnen, oder du wirst für immer mit Ihnen verbunden sein“.

Wir haben uns seit Jahren dem Segelsport verschrieben und segeln nun seit ca. 8 Jahren selbst mit Begeisterung im Mittelmeer – sobald es unsere Zeit erlaubt. Weiterlesen

Checklisten für den Törn

Agenda für ein Vortreffen der Crew


1. Begrüßung und gegenseitige Vorstellung

Begrüßung durch den Skipper

– Allgemeine Revierinfos
– Infos zum Schiff
– Vorstellung der Crew untereinander.
– Abfrage: Wer hat welche Segelerfahrung? (In Crewliste vermerken)
– Wann ist die Schiffsübernahme möglich

2. Törnplanung im Überblick

Darstellung des Seegebiets und der Törnmöglichkeiten
Alternativen für unterschiedliche Rahmenbedingungen:
Crew-Wünsche, Segelzeiten,
Wetter,
Segelzeit,
mögliche Landgänge und Landausflüge.

Welche Wünsche haben die Crew- Mitglieder zur Gestaltung ihres Segelurlaubs an den Skipper und die übrigen Crew-Mitglieder?

Grobe gemeinsame Planung festhalten, Information später an die Crew geben.
Wichtig!
Jeder Plan lässt sich nur realisieren, wenn Wind und Wetter es ermöglichen!

Erforderliche Impfungen bei einem Übersee-Törn ansprechen.

3. Anreise & Abreise

Anreise per Auto, Bahn oder Flugzeug
Transfer zum Hafen, Anfahrskizze und genaue Wegbeschreibung (eventuell vom Vercharterer einholen), ggf. auch in der Landessprache für den Taxifahrer oder Transferservice.

Treffpunkt vereinbaren:
Ort und Uhrzeit, Ablauf des Tags der Ankunft planen und kommunizieren (Schiffsübernahme, Verpflegung einkaufen, Sun Downer)

Telefonnummern zur Kommunikation untereinander, siehe Crewliste
Kontaktdaten Charterbasis, siehe Crewliste

4. Crewliste

Verwendungszweck und Einsatzmöglichkeiten erläutern
Komplettierung der Crewliste mit allen erforderlichen Daten: während des Vortreffens oder bis wann?
Ausweiskopien bzw. Reisepasskopien
Kopien der Segelscheine
Flugnummern und Flugzeiten bzw. Ankunftszeiten austauschen

5. Crew-Packliste und medizinische Informationen

Crew-Packliste: Erläuterung der segelspezifischen Dinge, z. B. Segelhand- schuhe und Segelschuhe
Thema Medizinische Besonderheiten der Crew-Mitglieder

Thema Seekrankheit ansprechen und erklären

Mitseglervereinbarung und Verträge

Erläuterung der Bestandteile der Mitseglervereinbarung: u.a. Weisungsrecht des Skippers,

Bordkasse, gegenseitiger Haftungsverzicht, Versicherungen, Kaution, Chartervertrag,

Unterzeichnung der Mitseglervereinbarung durch die gesamte Crew. Kopien an alle verteilen.

(Eine Kopie des Chartervertrags gehört dazu, da er Bestandteil der Mitseglervereinbarung ist.)

6. Rollen und Tätigkeiten an Bord

Welche Wünsche und Erwartungen haben die Mitsegler an den Segeltörn?

Welche seglerischen Aufgaben können die Mitsegler übernehmen: Navigation, Rudergänger, An- und Ablegen, Logbuch führen

Welche seglerischen Fertigkeiten möchten die Mitsegler erlernen oder vertiefen?

Welche täglichen Aufgaben möchten die Crew-Mitglieder übernehmen: Zahlmeister, Proviantmeister, Smutje, Tages-Smutjes, Backschaft?

7. Verpflegungsplanung

Das Crew-Mitglied welches die Aufgabe des Proviantmeisters übernimmt, hat die Verantwortung für die Organisation der Verpflegung?
Zahlmeister und Smutjes können weitere Crew-Mitglieder sein.

Menü-Planung aufstellen: Außentemperatur versus Kühlmöglichkeiten und Haltbarkeit von Lebensmitteln berücksichtigen.

Wann und wo können frische Lebensmittel nachgekauft werden? mögliche Restaurantbesuche einplanen und berücksichtigen.

Was soll aus der Bordkasse bezahlt werden: Verpflegung, Restaurant- Besuche, alkoholische Spezialitäten, Freihalten des Skippers von der Verpflegung

SEGELTRAUM

Test – Inhalt folgt

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Wichtige Bordregeln

Das Bord-WC!

Eines der häufigsten Probleme an Bord ist das Bord-WC.

Dieses wird durch Pumpen mit Wasser aus dem Meer befüllt und dann abgepumpt. Die Fäkalien gelangen in einen Tank, der dann weit draußen – oder in entsprechenden Einrichtungen im Hafen – geleert wird.

Es ist dabei extrem wichtig, sich Folgendes gut durchzulesen und zu merken:

Ins Klo kommt nur, was vorher gegessen oder getrunken wurde (Klopapier, Damenbinden, Tampons und Essensreste gehören nicht dazu) !
Das wird leider oft „klammheimlich“ mißachtet (es guckt ja keiner, ist ja eklig mit dem Toilettenpapier…schwupps, rin ins Klo….) Aber die dünnen Rohre verstopfen sehr schnell und dann ist das ganze Toilettensystem außer Betrieb.

Es muß dann mühsam auseinander gebaut werden (und das ist erst recht eklig – nicht nur für den Skipper…)

Daher bitte gleich und unbedingt ultimativ (!!) einprägen:

Klopapier, Tampons, Damenbinden gehören in die neben dem Klo stehende Tüte (das ist übrigens in fast allen südlichen Ländern auch an Land so, da man dort auch nur dünne Abwasserrohre hat!)

Reisegepäck

Bitte keinesfalls mit Koffern anreisen!

Wir können diese an Bord nirgends stauen, und es ist deswegen unabdinglich, faltbare Taschen oder Seesäcke zu verwenden, die man nach dem Auspacken klein zusammenfalten kann. Bei vorherigem oder nachherigem Hotelaufenthalt kann man die Koffer im Hotel lagern – bei Onewaytörns wird das allerdings schwieriger

SEEKRANKHEIT – muss nicht sein

Wissenswertes zum Thema Seekrankheit, Auslöser und was man dagegen tun kann!

Für viele Erstmitsegler/innen ist Seekrankheit die größte Angst! Und Angst ist m.E. auch Auslöser der Seekrankheit.
Seekrankheit entsteht, weil das Gleichgewichtssystem im Ohr mit den Informationen, die es vom Körper erhält (Umwelt wackelt) nichts anfangen kann. Daher wird einem schlecht, man wird müde und will sich hinlegen, meist muß man sich auch übergeben..
Oft wird dies auch ausgelöst durch die Angst, das Schiff könne (beim Segeln) umfallen, und schwupps: Fehlmeldungen ans Gehirn.
Mitsegler/innen hoffen oft, durch Motorfahrt würde es besser – das ist aber eine Fehleinschätzung, denn: in Motorfahrt bewegt sich das Schiff sowohl entlang seiner Längs- als auch seiner Querachse, es „dreht“ sich also, was zu viel mehr Irritation des Gleichgewichtssystemes führt, als beim Segeln, wenn der Winddruck die Querbewegung reduziert, und das Schiff nur entlang der Längsachse schaukelt (zudem ist Motoren bei viel Wind oft langsamer, als Segeln, man „leidet“ also länger!). Aber da die Yacht beim Segeln „schräg“ liegt, denken Viele, daß es besser würde, wenn sie wieder „gerade“ ist (=motort wird).
Wenn man sich einmal die Druckverhältnisse beim Segeln anschaut und weiß, daß eine moderne Segelyacht kaum „umfallen“ (kentern) kann, gewinnt schnell die Erkenntnis, daß „schräg Segeln“ keinen Grund zur Unsicherheit bietet, im Gegenteil. Oft geht es dann besser oder das Unwohlsein verschwindet völlig. Zwar kann Seekrankheit dann bei zunehmendem Seegang durchaus wieder auftreten, manchmal auch nur für kurze Zeit, aber bei den Verhältnissen, die wir an Bord unserer Yachten „normalerweise“ erleben, geht es den meisten bald besser, wenn sie das wissen und sich langsam an die Schiffsbewegungen gewöhnen (können).
Chemische Präparate gibt es in jeder Apotheke, die nutzen jedoch nur etwas, wenn man die VOR Start der Tagesetappe nimmt. Zwar wird einem vielleicht nicht oder weniger schlecht, dafür läuft man immer „wie in Watte“ herum, auch NACH dem Anlegen bleibt man „gedämpft“.
Daher bin ich kein Freund solcher Mittel, und empfehle, erst einmal auszuprobieren, wie man ohne zurechtkommt.
Denn: Das Gleichgewichtssystem „lernt“ meistens recht schnell mit der neuen Umgebung variabel umzugehen, zudem haben wir mit Akkupressurarmbändern (im Segler-Fachhandel) sehr gute Erfahrungen gemacht! Und kaum ist die Yacht ruhig im Hafen, rennt der/die eben noch seekranke Segler/in in die nächste Taverne und futtert mit Heißhunger, da es ihm SOFORT wieder gut geht, wenn das Gehirn wieder „richtige“ Informationen bekommt, wo „oben“ und wo „unten“ ist!
Ersten Symptomen der Seekrankheit wie Gähnen, erstem Schwindelgefühl, flauem Magen, sollte man sofort richtig begegnen
Wenn man es überhaupt nicht in den Griff bekommt, kann man immer noch mit Tabletten den restlichen Törn überstehen.
Medikamente: empfohlen wird das histaminabbauende Cinnarizin, welches es rezeptfrei in der Apotheke gibt.
Scopolamin, das meist gegen Seekrankheit benutzt wird, hat keine histaminabbauenden Substanzen, sondern wirkt lediglich dämpfend! (und eben leider auch NACH Ankunft im Hafen…)
SEEKRANKHEIT – Hintergrundinfos zur Entstehung von Seekrankheit
Histamin – wo kommt es her, was dagegen tun?
Schweine werden nicht seekrank, denn diese haben ein Enzym namens DAO, welches Histamin neutralisiert.
Histamin ist ein „biogenes Amin“, das durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Histidin ensteht. Blockiert (oder reduziert) man die Histamin-Produktion im Gehirn, tritt Seekrankheit nicht auf.
Es nutzt jedoch nichts, sich lediglich wie ein Schwein aufzuführen, das Histamin muß man neutralisieren! *nur Spaß*
Also sollte man histaminhaltige Nahrung meiden (siehe unten) bzw . solche Nahrung zu sich nehmen, die Histamin abbaut.
Stress (z.B. Angst auf dem Schiff) führt ebenfalls zur Ausschüttung von körpereigenem Histamin Vitamin-C-reiche Nahrung essen und histaminhaltige Nahrung vermeiden
Histaminhaltig sind: Spinat, Tomaten, Rotwein, Bier und Weizenbier, haltbar gemachte Nahrung wie Salami, Hartkäse, Dosen-Thunfisch, Ketchup, Pizza usw.
Histaminarm sind frischer Fisch und Fleisch, Frischkäse, Obst Vitamin C baut Histamin am schnellsten ab!
Also kann man auch Orangen, Kiwi oder Äpfel gut essen, das hilft.
Es ist also nicht der Sehapparat alleine, der Seekrankheit ausmacht, denn auch Blinde können seekrank werden. Die Ursache der Seekrankheit hat auch mit dem Gleichgewichtssinn und den gleichzeitig von Auge und Gleichgewichtsapparat ans Gehirn gelieferten, aber inkonsistenten Informationen zu tun. Sind diese Informationen nicht stimmig, wird man irritiert=seekrank
Keine Sorge: die Yacht kippt nicht um!
Eine große Hilfe ist es, wenn man die physikalischen Abläufe auf und mit einem Schiff versteht: warum wird es jetzt schräg, aber warum kann es nicht umfallen, im Gegenteil: es wird (bei Lage) stabiler… 
Also machen Sie sich mit dem physikalischen Ablauf der Schiffsbewegungen vertraut. Vorteilhaft ist es:
mittschiffs in Fahrtrichtung stehen, dies kann Seekrankheitssymptome vermeiden oder mildern.

SEEKRANKHEIT – muss nicht sein – Was ich tun kann zur Vermeidung
Gehen Sie ans Ruder, fixieren Sie einen festen Punkt (Land) am Horizont.
nicht lesen sondern eine Beschäftigung suchen
Kauen Sie z.B. trockene, salzhaltige Kekse oder Zwieback, • trinken Sie (stilles !) Wasser.
• nicht unter Deck gehen, bzw. wenn, dann schiffsmittig hinlegen
für Frischluftzufuhr sorgen und
• Eimer bereitstellen
• Küchentücher und stilles Wasser bereit halten
(Sollten Sie Erbrechen, sofort wieder Trinken und Kekse oder Zwieback kauen, damit der Magen nicht leer wird.)
Mit leerem Magen erbricht man Magensäure und hat erhebliche Schmerzen.
Wenn Sie auf Deck bleiben, was ohnehin besser ist, SOFORT Lifebelt und Schwimmweste anziehen und sicher anleinen. Eine nicht seekranke Person sollte (!) sie betreuen.

Checkliste – was muss mit?

Bespiel einer Packliste für den Törn – sicher nicht komplett und sollte mit eigenen Bedürfnissen komplettiert werden.

Bitte nicht mit Reisekoffer anreisen. Segeltaschen sind besser zu verstauen.

Packliste:

Dokumente Zahlungsmittel
Reiseunterlagen (z.B. Flugtickets, Bahnkarten, Hotelvoucher)
Bargeld
Personalausweis / Reisepass Reiseschecks
Führerschein
Kreditkarten
Bootsführerscheine / Funkzeugnisse
Charterunterlagen
Technik
Auslandskrankenschein, ggf. mit entsprechenden Zusatzversicherungen

Taschenmesser
Tampen und Bändsel
Kleidung Schäkel
jahreszeit- und revierbedingte Kleidung
Segelmesser
wasserdichtes Ölzeug / Neoprenanzug
Multifunktionswerkzeug
Schirmmütze
Reparaturtapes (Segeltape, Gewebetape etc.)
Handschuhe (geschlossene Finger, auch warme Handschuhe)
Tesafilm
abrieb- und rutschfeste Segelstiefel,
Neoprenschuhe
Marker für Beschriftung der Klemmen
rutschfeste Segelschuhe
Arbeitshandschuhe
Badekleidung
Video / Foto
Arzneimittel Fotoausrüstung (und, falls nicht digital, genügend Speicher!)
Insektenschutz und Salbe
Sonnenschutzmittel Videokamera (und, falls nicht digital, Filme-verschiedene Objektive
Sonnenbrandmittel
Akkus und Ladegerät
eventuell länderabhängige Impfungen tätigen
wasserfeste Pflaster
Verschiedenes Mittel gegen Seekrankheit
Mobiltelefon mit Ladegerät
Wunddesinfektionsmittel
Sonnenbrille mit Band
Wund & Heilsalbe , Aspirin – diverse Pflaster
Ersatz- und Lesebrillen
Schmerz- und Fiebermittel
Rucksack zum Einkaufen
Mittel gegen Durchfall
wasserdichter Seesack
Mittel gegen Lippenbläschen
Kerzen
Ohren und Augentropfen
langes Feuerzeug für die Gasflamme
Ohropax
Windlichter
Schlafsack
Nautisches Lifebelts
GPS Schwimmwesten (bei Automatikwesten zusätzliche Ersatzpatronen!)
Navigationsbesteck
Portemonnaie für die Bordkasse
Papier und Bleistifte
Flossen, Schnorchel, Taucherbrille
Seekarten
schwimmfähiger Schlüsselanhänger
Nautischer Almanach
Auslandsadapter für Steckdosen
Hafenhandbücher
Nähzeug
mehrsprachiges Seglerlexikon
Hygieneartikel
Fernglas
ausreichend Hand- und Geschirrtücher
Peilkompaß
Kartenspiel
Weltempfänger
Bücher
Uhr
Taschenlampe
eigenes Logbuch

 

Mit wem segeln?

Ein sehr guter Beitrag zum Thema „Leben an Bord“.

Geschrieben von Erdmann Braschos

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Neulich erzählte mir ein Bekannter, er wäre mit einer Ketsch unterwegs gewesen. So sehr, wie er den Bootstyp betonte, schien ihm die Takelage außerordentlich wichtig. Das ist auf den ersten Blick verständlich. Wir wollen mit einem gescheiten Gefährt unterwegs sein und nicht mit einer Gurke. Aber ich glaube, die Hardware wird überschätzt. Natürlich sollte es halbwegs gepflegt und sicher sein. Dennoch läßt sich auch an Bord eines beliebigen Bootes eine schöne Zeit an Bord verbringen wenn die seglerischen Ansprüche nicht zu hoch sind, die Crew und das Wetter halbwegs passen.

Oder hat Ihnen mal jemand von seinem letzten Italienurlaub erzählt, er sei mit einen Touran oder einem 3er BMW dort hin gefahren? Ohne dabei die Reise selbst, die Begleitung, was er gesehen und erlebt hat, zu erwähnen. Wenn es ein spezielles Auto, ein Sportwagen oder ein Oldtimer war, wäre das vielleicht erwähnenswert. Sonst nicht.

Seit Jahrzehnten bin ich mit wechselnden Crews unterwegs. Dabei begegne ich ganz unterschiedlichen Naturen. Seglern, die beim Kennenlernen einen guten Eindruck hinterlassen, sämtliche Scheine wie Asse beim Kartenspiel vorzeigen, sich an Bord aber mit unübersehbarem Geltungsbedürfnis als anstrengend erweisen. Mancher muss an Bord etwas nachholen, was ihm sein Landleben nicht bietet.

Ich lerne umgängliche Leute kennen, mit denen ich immer wieder gern ablege. Es gibt lustige Kerle, allzu mitteilsame oder verschwiegene Naturen, mit denen kaum ein Gespräch möglich ist. In den Neunzigerjahren segelte ich einmal mit einer Männercrew nach St. Kilda. Das ist eine einsame Insel draußen vor den äußeren Hebriden im unwirtlichen Atlantik. Beim Ankern vor dem einsamen Strand meinte ein Mitsegler in Kölner Mundart: «Scheiße, keine Weiber hier.» Er hatte ausgerechnet da draußen erwartet, eine Bekanntschaft zu machen??

Eine Weile segelte ich mit Einem, der stets sein eigenes Navigationsbesteck im Pilotenkoffer mitbrachte. Leider waren seine Positionsbestimmungen nicht so beeindruckend wie das ganze Gedöns, das er darum machte.

Die Beispiele zeigen, dass man an Bord wie im normalen Landleben allen möglichen Leuten begegnet. An Land können Sie sich aus dem Weg gehen, an Bord nicht. Auch hängen Wohl und Wehe von Schiff und Besatzung von einem guten Miteinander ab. Vom Wohlbefinden ganz zu schweigen. Denn man verbringt seine kostbare Freizeit ungern mit Leuten, die anstrengend, seltsam oder unangenehm sind. Da ist es vergleichsweise Banane, ob es eine Ketsch oder eine Slup ist. Auf die Software, die Crew kommt es an. Joseph Conrad hat es in einem seiner Romane einmal so zusammengefaßt: «Ships are alright, it’s the men in them. (Schiffe sind alle in Ordnung, es sind die Männer in ihnen)

Also schauen Sie genau hin, mit wem sie ablegen. In der unausweichlichen Enge eines Bootes lernt man die Eigenheiten, die Stärken und Schwächen seiner Mitsegler wie unter einem Vergrößerungsglas kennen. Bei Nachtfahrten, in Streßsituationen, bei viel Wind oder Hafenmanövern gründlicher, als einem lieb ist. Es gibt Leute, die werden laut und grob, wenn sie gefordert sind. Andere erzählen an Bord gern schmutzige Witze oder greifen zur Flasche.

Wußten Sie, daß Manager ihre Führungskräfte gern zum Segeln einladen um sie richtig kennen zu lernen? Sie wollen sehen, wie sie ticken. Wer kann sich einfügen? Wer macht den ihn übertragenen Job? Wer denkt mit? Wer überblickt Situationen und handelt vorausschauend? Wer hat einen Blick für das Wohlbefinden der Crewmitglieder? Wer fährt einen Egotrip, denkt nur an sich? Wer pickt sich die Rosinen raus? Wer packt unter Deck an, übernimmt auch mal den Abwasch? Wer läßt sich Bedienen?

Eine weitere Erfahrung, die ich immer wieder mache: es gibt Leute, die verhalten sich an Bord ganz anders als an Land. Ich habe auch schon an sich nette Kerle erlebt, die in dem Augenblick, wo sie am Steuer stehen, ihre Begleiter in einem völlig unpassenden Ton herum kommandierten. Diese Naturen schlüpfen an Bord oder am Steuer in eine andere Rolle. Andere sind im Umgang mit Frauen an Bord unsicher. Die Seefahrerweisheit, wonach Frauen und Schnittblumen an Bord Unglück bringen – was für ein Bullshit – pariere ich stets mit dem Spruch: Männer und Topfpflanzen auch.

Ein Boot mehr ist als ein Boot. Es steht für Freiheit, Abenteuer, Loslassen, Bewährung, Action, Stille, Ruhe, Einsamkeit, Naturnähe. Nicht alles davon paßt zusammen. Der Eine möchte Abenteuer und Action, der Andere sucht die Stille. Anstrengend wird es, wenn es jemand an Bord gibt, der Ruhe nicht aushält und andauernd redet, Dinge erzählt, die andere vielleicht gar nicht hören wollen.

Jeder bringt einen ganzen Seesack voll Erwartungen und Sehnsüchte mit an Bord. Gerade bei einem langen oder anstrengenen Törn, wo es keine Möglichkeit zum Ausruhen oder gar Aussteigen gibt, sollten Sie schauen, was in ihrem eigenen Seesack und dem ihrer Begleiter steckt. Nun ist aber gerade das nicht einfach. Wer ist sich schon über seine eigenen Bedürfnisse im Klaren? Ganz zu schweigen von denen anderer.

An Bord sind schon langjährige Freundschaften zerbrochen, weil unterwegs Eigenschaften zutage kamen, die an Land unbemerkt blieben. Das hat natürlich auch etwas Gutes, weil man so innerhalb weniger Tage etwas Entscheidendes gelernt hat. Falls Sie sich gerade frisch verliebt haben, sollten Sie unbedingt miteinander ablegen. Und zwar auf einem möglichst spartanisch-sportlichen Boot. Da findet der Segler oder die Seglerin rasch heraus, ob sie oder er paßt.

Fazit: Segeln können die meisten von uns irgendwie. Überschätzen Sie die Hardware nicht. Aber unterschätzen Sie die Frage nicht, ob und wie wir an Bord miteinander harmonieren.